Early Hitchcock (1927-1931) – Special
Hitchcocks frühe Filme Leichtlebig (1927) und Endlich sind wir reich (1931). (35 Millimeter)

Im Herbst 2025 wurde ich erneut vom renommierten 35 Millimeter – Retro-Filmmagazin angefragt, Teil der Redaktion zu werden. Meine verbesserte Arbeitsstruktur ließ erfreulicherweise diese Ergänzung zu, und ich freute mich, mit einem Beitrag zum frühen britischen Kino 1895-1945 meinen Einstand geben zu können. Genauer handelt es sich um Alfred Hitchcocks frühe Phase in England, woraus ich mir die Spanne 1927-1931 mit den beiden Filmen Leichtlebig (Easy Virtue, 1927) und Endlich sind wir reich (Rich and Strange, 1931) für 3 Heftseiten herauspickte. Motivation und Konzept meines Beitrags war, Hitchcocks Wurzeln außerhalb des typischen Suspense-Thrillers nachzuspüren. So bieten beide frühen Filme, auf den ersten Blick vielleicht Hitchcock-untypisch, durchgängig Elemente seiner Kinoerzählungen:
„Ähnlich wie Leichtlebig ist Endich sind wir reich ein melodramatischer, mitunter auch humorvoller Liebesfilm, bei dem am Ende die offenbarten Gefühle die Geschichte beschließen. Die Filme bilden, einerseits technisch, aber auch dramaturgisch die Basis für spätere Werke Hitchcocks, egal ob diese dann mehr im Thriller oder im Melodram verortet sind. Die figurative Darstellung von Szenen wird hier bereits erfolgreich entwickelt. Mark Duguid (BFI) bringt es auf den Punkt, wenn er betont, dass Hitchcock genau in dieser Phase immer mehr an Fähigkeiten und Selbstvertrauen gewann. Es war die Zeit, als er noch nicht so etabliert im klassischen Spannungskino war, was erst ein paar Jahre später – mit Der Mann, der zuviel wusste (The Man Who Knew Too Much, 1934) und Die 39 Stufen (The 39 Steps, 1935) – zur Signatur werden sollte. Die Quellen zu Hitchcocks spannendem Erzählen liegen denn auch hier, im vordergründig nicht so ‚spannenden‘ Frühwerk.“
Stefan Jung: British Hitchcock. The Early Years Revisited (1927-1931), in: 35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin, Nr. 60, S. 14-16
